Intrinsic Activity, 2021; 9 (1): p1
doi:10.25006/IA.9.1-p1
PRESS RELEASE
Intrinsic Activity,
2021; 9 (1):

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Stellungnahme der Österreichischen Pharmakologischen Gesellschaft (APHAR) zu gefährlichen Falschinformationen über die Behandlung der Coronavirus-Infektion COVID-19
Thomas Griesbacher*, Jörg Striessnig, Alexandra Koschak, Michael Pohl, Eva Maria Zebedin-Brandl, Romuald Bellmann, Markus Zeitlinger, Martin Brunner, Johannes Pleiner-Duxneuner

Österreichische Pharmakologische Gesellschaft (APHAR)

* E-Mail für Korrespondenz

Presseaussendung der Österreichischen Pharmakologischen Gesellschaft (APHAR), veröffentlicht am 10.11.2021.

Die unterzeichneten Autor*innen sprechen ausdrücklich im Namen der Gesellschaft und nicht als Vertreter der Organisationen, denen Sie beruflich angehören.


Mit großer Betroffenheit und Sorge haben wir am 4. November 2021 aus den Medien falsche Aussagen zur medikamentösen Behandlung von COVID-19 als mögliche Alternative zur Schutzimpfung verfolgt. Unter Berufung auf Erkenntnisse von „zahlreichen Experten“ wurde behauptet, die Erkrankung könne mit „handelsüblichen Medikamenten“ wie Paracetamol, Aspirin (Acetylsalicylsäure) oder Ibuprofen, oder gar mit Vitaminen (Vitamin C, Vitamin D) wirksam behandelt werden. Welche „Expertinnen oder Experten“ hinter diesen Aussagen stünden, wurde an keiner Stelle erwähnt, ebenso wenig Daten, welche diese Aussagen belegen.

Als Fachleute auf dem Gebiet der Arzneimittel­behandlung aus Wissenschaft und Praxis stellen wir klar, dass es sich dabei um Falsch­informationen handelt, die Menschenleben gefährden können. Die erwähnten Schmerzmittel Paracetamol, Aspirin (Acetylsalicylsäure) oder Ibuprofen können in leichteren Fällen Krankheits­erscheinungen wie Fieber und Schmerzen lindern. Es gibt jedoch, im Gegensatz zu den in den Medien suggerierten Wirkungen, keine Hinweise dafür, dass sie die Infektion hemmen oder gar vor einem schweren oder tödlichen Verlauf der Erkrankung schützen könnten. Auch hochdosierte Vitamine können das nicht.

Trotz intensiver Forschung ist die medikamentöse Behandlung einer COVID-19 Erkrankung nach wie vor schwierig. Besondere Bedeutung hat daher die Vorbeugung durch Impfung, Schutz­maßnahmen wie Masken und Abstandhalten und durch Hygiene­maßnahmen oder Kontakt­reduktion. Die medizinische Forschung zur Entwicklung nachweislich wirksamer Medikamente läuft auf Hochtouren, und die Zulassung erster wirksamer, zur Behandlung von Covid-19 entwickelter Substanzen könnte in wenigen Monaten erfolgen.

In diesem Zusammenhang möchten wir auch darauf hinweisen, dass es sich bei den aktuell am Markt befindlichen Impfstoffen nicht um „experimentelle Impfstoffe“ handelt. Die in Österreich verfügbaren Impfstoffe wurden wissenschaftlich und behördlich geprüft und ihre Anwendung erfolgt auf Empfehlung des zuständigen nationalen Expertengremiums.

Falsche oder riskante Behandlungs­empfehlungen, die aufgrund von fehlendem Fachwissen, Selbst­überschätzung oder aus anderen Motiven erfolgen, können zu großem menschlichem Leid führen und gefährden Menschenleben. Empfehlungen zur Behandlung der Coronavirus-Infektion COVID-19 sollten daher ausschließlich erfahrene Fachleute abgeben.

Ao. Univ.-Prof. Dr. med. univ. Thomas Griesbacher
Vorsitzender
Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie

Univ.-Prof. Dr. med. univ. Jörg Striessnig
stellvertretender Vorsitzender
Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. rer. nat. Alexandra Koschak
Geschäftsführerin
Biologin

Dr. med. univ. Mag. pharm. Michael Pohl, Master of Public Health
Kassier

Assoz. Prof. Dr. med. univ. Eva Maria Zebedin-Brandl, PhD
Weiteres Vorstandsmitglied
Fachärztin für Pharmakologie und Toxikologie

Ao. Univ.-Prof. Dr. med. univ. Romuald Bellmann
Vorsitzender der Sektion Klinische Pharmakologie
Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfacharzt für Intensivmedizin, Klinische Pharmakologie, sowie Infektiologie und Tropenmedizin

Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. med. univ. Markus Zeitlinger
Vorsitzender der Sektion Klinische Pharmakologie (2017 – 2019)
Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfacharzt für Klinische Pharmakologie

Univ.-Doz. Dr. med. univ. Martin Brunner
Stellvertretender Sektionsleiter
Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfacharzt für Klinische Pharmakologie

Priv.-Doz. Dr. med. univ. Johannes Pleiner-Duxneuner
Weiteres Mitglied der Sektionsleitung
Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfacharzt für Klinische Pharmakologie

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published online:
30 November 2021